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Was machst Du als Marketing-Führungskraft am ersten Tag im neuen Job – und was nicht!

Beitrag von: Richard Erbler | Lesedauer: Min.
Junger CMO während der Arbeit im Büro

Der erste Tag als neuer Marketingentscheiderin ist mehr als nur eine formale Begrüßung. Er setzt den Ton für Deine gesamte Amtszeit – intern wie extern. Ob CMO, Head of Marketing oder Director Brand: Dieser Tag ist Deine erste große Bühne. Und wie bei jeder Kampagne gilt auch hier: Die ersten Eindrücke sind nicht mehr zu korrigieren.

In diesem Artikel erfährst Du, welche Schritte Du am ersten Tag unbedingt gehen solltest – und welche Du besser vermeidest.

1. Was Du unbedingt tun solltest

1.1 Sichtbarkeit zeigen – ohne sofort zu dominieren

Dein erster Tag ist keine Board-Präsentation, aber er ist auch nicht zum Untertauchen gedacht. Zeige Dich im Haus: Lerne Dein Team kennen, sprich mit relevanten Stakeholdern (auch abseits der Marketingabteilung) und sei in den ersten Tagen physisch präsent.

Beispiel: Statt Dich im Büro zu vergraben, nutze die Gelegenheit, kurz bei Vertrieb, Produktmanagement oder HR vorbeizuschauen. Ein kurzes, echtes Gespräch wirkt stärker als ein perfekt geschliffenes Memo.

1.2 Zuhören – und zwar wirklich

Viele CMOs wollen am ersten Tag gleich den Kurs vorgeben. Doch bevor Du strategische Richtungen kommunizierst, höre zu: Was sind die größten Herausforderungen? Wo liegen ungenutzte Chancen? Welche internen „heiligen Kühe“ gibt es?

Praxis-Tipp: Vereinbare schon in der ersten Woche kurze One-on-Ones mit Deinen Direct Reports – nicht, um sofort Anweisungen zu geben, sondern um ein Bild der Lage zu bekommen.

1.3 Die Kultur scannen

Kultur schlägt Strategie – das gilt auch für Dich. Beobachte, wie Entscheidungen getroffen werden, welche Kommunikationswege genutzt werden, wie informell oder formell der Umgang ist.

Beispiel: Wenn Du merkst, dass vieles über kurze Flurgespräche läuft, solltest Du Dich nicht nur auf E-Mails oder Meetings verlassen.

1.4 Deine Rolle klar positionieren

Du musst nicht sofort Deine komplette Marketingstrategie ausrollen, aber Du kannst erste Akzente setzen: Welche Grundhaltung hast Du zu Marke, Markt und Teamarbeit? Was ist Dir wichtig?

Beispiel: Wenn Dir datenbasierte Entscheidungen wichtig sind, sag das – ohne gleich ein Reporting-Framework zu implementieren.

1.5 Quick Wins identifizieren

Auch wenn Du langfristig denkst, helfen kleine Erfolge, früh Vertrauen aufzubauen. Achte auf sichtbare, unkomplizierte Verbesserungen.

Beispiel: Ein lang erwarteter, kleiner Prozess-Fix im Social-Media-Workflow kann mehr Rückenwind bringen, als ein 80-seitiges Strategiedokument.

2. Was Du am ersten Tag besser lässt

2.1 Große Strategie-Ansagen

Die Versuchung ist groß, gleich zu zeigen, dass Du Vision und Richtung hast. Aber ohne tiefes Verständnis des Unternehmens, seiner Kultur und seiner politischen Realitäten, riskierst Du, Widerstand zu erzeugen.

Problem: Frühzeitige Strategiestatements können wie fertige Schubladenlösungen wirken – und führen dazu, dass sich Stakeholder übergangen fühlen.

2.2 Vergleich mit Deinem alten Arbeitgeber

„Bei meinem alten Unternehmen haben wir das so gemacht“ ist einer der schnellsten Wege, Dein neues Team zu verlieren. Nutze Deine Erfahrung, aber übersetze sie in die neue Umgebung, bevor Du sie teilst.

2.3 Mikromanagement

Gerade im Marketing gibt es viele Detailentscheidungen – aber am ersten Tag musst Du nicht die Farbpalette der letzten Kampagne bewerten.

Risiko: Du wirkst, als würdest Du Deinem Team nicht vertrauen – und verlierst schneller Motivation, als Du sie aufbauen kannst.

2.4 Politische Allianzen zu früh schmieden

Natürlich musst Du Netzwerke aufbauen. Aber: Wenn Du zu früh klar erkennbare „Lager“ bedienst, schadest Du Deiner späteren Unabhängigkeit.

Besser: Spreche mit allen – und halte Dich in den ersten Wochen neutral, bis Du die Dynamiken wirklich verstanden hast.

2.5 Übertriebenes „Überperformen“

Du musst Dich nicht am ersten Tag beweisen, indem Du bis Mitternacht arbeitest oder alle Prozesse sofort infrage stellst. Das kann Erwartungen wecken, die langfristig nicht gesund sind – weder für Dich noch fürs Team.

3. Fazit: Der erste Tag ist Marketing in Reinform

Dein Start als Marketing-Führungskraft ist wie eine Markteinführung: Du hast eine Zielgruppe (Stakeholder), eine Botschaft (Dein Führungsstil) und eine Experience (Dein Auftreten, Deine ersten Handlungen).

Erfolgreich ist, wer den richtigen Spannungsbogen hinbekommt: sichtbar und präsent, aber nicht aufdringlich; interessiert, aber nicht urteilend; mutig, aber mit Bedacht.

Wenn Du diese Balance hältst, legst Du am ersten Tag das Fundament für Vertrauen, Einfluss – und eine starke Marke: Deine eigene als Führungskraft.

Kurz gesagt:

  • Do: Zuhören, Präsenz zeigen, Kultur verstehen, erste Akzente setzen.

  • Don’t: Große Strategiedebatten starten, alte Vergleiche ziehen, Mikromanagement betreiben.

Oder wie im Marketing: Baue erst Reichweite auf – bevor Du die Conversion erwartest.

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Ein Mann mit kurzen dunklen Haaren, der einen dunklen Blazer und ein hellblaues Hemd trägt, lächelt in einer hellen Innenumgebung mit unscharfem Hintergrund.
Autor

Richard Erbler

Geschäftsführer ROOTS Marketingberatung

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